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Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin

 

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badlock

Apr 8, 2008, 10:32 AM
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Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin Can't Post

...das war Ironie!

Jedoch ist mir in der letzten Saison folgendes passiert:
Ich habe bei einem deutschen Händler ein Komplettsystem nach Maß bestellt, das unter anderem ein Vector Micron mit Skyhook, eine PD-Reserve, ein Cypres 2 und einen Safire-2-Hauptschirm enthielt.

Wie sich während des regulären Repacks vor einigen Wochen herausstellte, war ich "Opfer" eines major-Rigging-Fehlers, der mir vielleicht das Leben gekostet hätte, da die Reserve wohl nicht geöffnet hätte.

Der Rigger, der den Repack machte, war - das muss man hier klar sagen - nicht der verursachende Händler.

Was war nun passiert?

Als mein Rigger die Reserve aus dem Freebag holte, fand er folgende Situation vor:

Der linke Rear-Riser war mit den Fangleinen der C- und D-Gruppe durch den vorderen Slidergrommet geführt worden.
Der linke Front-Riser war mit den Fangleinen der A- und B-Gruppe durch den hinteren Slidergrommet geführt worden.
Die Steuerleine war durch den Vorbremsring durch den hinteren Slidergrommet geführt (also richtig).

Als kleine Zugabe war dann der Slink, der die Fangleinen der A-B-Gruppe aufnimmt, einmal um 180 Grad gedreht.

Seht Euch einfach die Bilder an...


Mein Rigger vermutet, dass der Slider aufgrund der kreuzenden Leinengruppen blockiert hätte und die Reservekappe sich so überhaupt nicht geöffnet hätte.

Ich war bei einem Sprung eine halbe Sekunde vor einem Cutaway und bin nun froh, diese Zeilen noch schreiben zu können.



Aufgrund des sehr drastischen Fehlers wurde nicht nur der Verursacher, sondern auch der DFV informiert.

Es stellte sich im weiteren Verlauf folgende Situation dar:

- Der Verursacher-Rigger/Händler hatte nach eigener Aussage einen Rigger-Anwärter das Rig zusammenbauen und packen lassen.
- Weil er keinen Vertrauensbruch begehen wollte und ihm der Anwärter offenbar überzeugt hatte, öffnete er das Rig nicht erneut.
- Dennoch unterschrieb und stempelte die Packkarte mit seinem Namen
- Ein Fallschirmtechniker unterschrieb die Stückprüfung. Er soll laut Verursacher aber die Einzelteile im unverbauten Zustand untersucht haben.
Da mein Rigger hier Vor Ort meint, dass er diesen Fallschirmtechniker als 100% korrekten Sicherheitsfanatiker kennt, möchte ich mal glauben, dass es OK ist einen "airworthy"-Aufkleber zu setzen, wenn man nur die Summe der Teile betrachtet hat...
- Der Verursacher bezeichnete das gesamte Vorgehen übrigens als "Usus", auch wenn es nicht ganz korrekt sei.


- Folgen:

Der Verursacher wurde vom DFV abgemahnt.
Er behält seine Zulassung und ist nach wie vor im Geschäft.


(This post was edited by badlock on Apr 8, 2008, 10:36 AM)
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Mask

Apr 8, 2008, 11:38 AM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

WOW!

Hey, toll, dass Du noch da bist.
Happy Birthday! - Bier?

In die Richtung: An den Pranger, Ross und Reiter, Teeren und Federn, geh ich jetzt mal nicht.

Meine Neugier zerfrisst mich trotzdem.

Hab's mir überlegt: Bier!

Und schönen Gruß an unseren Rigger.


Skyjester

Apr 8, 2008, 1:15 PM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

Crazy sollte man mal mit einer Extrareserve springen-dann wüsste man mehr . . .
übrigens : dein Forum-name ´´Badlock´´ passt ganz gut zu dem PackjobWink,
wäre man abergläubisch,könnte man auch den Namen in ´´open-nice´´ändernSmile
Nee is klar, ernste Angelegenheit,aber is ja nochmal gut gegangen.Blush


Maxx  (D 9594)

Apr 8, 2008, 1:29 PM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

heftig heftig!

schön, dass du noch hier bist und das schreiben kannst...


Beer! für alle, ausser deinem rigger und dessen anwärter..


FrancoR

Apr 8, 2008, 2:36 PM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

In reply to:
- Der Verursacher bezeichnete das gesamte Vorgehen übrigens als "Usus", auch wenn es nicht ganz korrekt sei.

Wie kann das bitte Usus sein einen Anwaerter packen und zusammenbauen zu lassen? Ich hoffe mal stark das unser Verband und auch der Prueferverband seinen Riggern klar macht das das nicht sein kann. Jeder Schueler bekommt eine Packkontrolle und sowas haette auffallen sollen.

Der Vergleich mit dem Base Rig hinkt uebrigens, du haetterst evtl. eine kleine Leinenverdrehung abgehaengt nur um "sicher" zu sein. Wenn du wuesstest das deine Reserve nicht vorhanden ist wie beim BASE Rig haettest dich wohl eher um Fehlerbeseitigung am Haupschirm gekuemmert.

Wie viele Spruenge hast den mit dem Geraet gemacht? So 800 bis 1000 Spruenge hat man ja dann doch mal eine Reserve......


(This post was edited by FrancoR on Apr 8, 2008, 2:37 PM)


divinglog

Apr 8, 2008, 5:40 PM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

Also sowas darf wirklich nicht passieren Pirate
Spätestens beim Aufnehmen der Reserve zum Packen hätte dem Anwärter auffallen müssen das da etwas nicht stimmt. Unsure


feuergnom  (D License)

Apr 8, 2008, 11:18 PM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

das toppt so ziemlich alles was ich aus diversen "riggers horror-books" kenne

happy b-day!


(This post was edited by feuergnom on Apr 8, 2008, 11:20 PM)


flores2007

Apr 9, 2008, 7:55 AM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

Ich finde, dass man da schon Ross und Reiter nennen MUSS, denn Rücksicht ist da die falsche Methode.

Wer so grob fahrlässig handelt, muss an den Pranger.


Falko  (D 10613)

Apr 9, 2008, 3:04 PM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

...whow, hier war ja lange nichts mehr los... aber das toppt alles! Mir ist irgendwie ein bischen schlecht.

Das ist echt unverständlich... angefangen damit, dass man den so "verbauten" Reserveschirm doch eigentlich nichtmal ordentlich aufnehmen kann... bis zu irgendwelchen Unterschriften für Packjobs die nie von dem Unterzeichner getätigt wurden. Und was bitte meint "Vertrauensbruch"? Seit wann ist es ein Vertrauensbruch wenn ein Lehrer/Ausbilder die Arbeit seines Schülers (Fallschirmwart-Anwärter) kontrolliert?

Jetzt wird's echt ganz grotesk!!
Also mir wär schon so ein bischen nach Teeren und Federn... bei so einer Schlamperei hoch 10.
Wer so eine Nummer abliefert sollte wirklich den "Lappen" abgeben. Ein Riggingfehler ist ja das eine, Nobody's Perfect und so, aber diese Schlamperei ist ja wohl gleichbedeutend mit völliger Abwesenheit handwerklicher Fähigkeiten. Von so überbewerteten Floskeln wie "Gewissenhaftigkeit" will ich garnicht erst anfangen. Frown

Und was bitte genau ist eine "Abmahnung" seitens des DFV? Ab welcher "Schwere" des Vergehens wird sie gerechtfertigt, gibt es da einen Standard? Was muss man denn tun um den Lappen abzugeben? Die Slinks offen lassen, die Bridle durchschneiden oder jemanden in einen laufenden Propeller schubsen? Unimpressed

mannmann... *kopfschüttel* da sieht man's mal wieder, "Vertraue niemandem" ist immer noch die beste Devise. Unsure

Schön daß du noch lebst! Gut für dich, gut für den Rigger, sonst säß er jetzt wohl im Knast.Pirate


SimonFreeFly

Apr 10, 2008, 10:11 AM
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Re: [Falko] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

Ich bin mir 100%ig sicher das wir beide ihn kennen, zumindest den Rigger, wirklich 100%ig.

Und an unser Opfer, Glück gehabt!!!!!
Nur wenn du das nächste Mal an einer Problematischen Kappe hängst, denk dran du hast deinen Rigger gewechselt, also keine Angst vorm abtrennen.

PS Ich bin gegen falsche Vedächtigungen!!!


(This post was edited by SimonFreeFly on Apr 10, 2008, 11:41 AM)


badlock

Apr 10, 2008, 10:54 AM
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Re: [SimonFreeFly] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

Zunächst mal Danke für Eure zahlreichen Antworten!

Wenn man so einen Thread in die Welt setzt, hat man natürlich mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen wenn es darum geht rüberzubringen, was Motivation und Hintergedanken betrifft.

Ich habe es mir auch nicht leicht gemacht, denn mir ist klar, dass es mehrere Seiten der Medaille gibt, was die Veröffentlichung eines derartigen Threads angeht.

Konkret gesagt steht man vor dem Problem:

Nennt man Ross und Reiter wirklich beim Namen?

Warum, wenn ja - warum, wenn nein?

Was ist der Effekt davon, wenn man es tun sollte?

Auf der einen Seite kommt man einer gewissen Informations"pflicht" nach. Passieren solche Dinge, zieht es einiges Interesse nach sich, was konkrete Details betrifft. In diesem Fall sind diese Details neben dem Hergang (welchen ich imho ausreichend geschildert habe) klar die Namen der Verantwortlichen.

Veröffentlich man diese(n), setzt man sich schnell der Gefahr aus in Verdacht zu geraten, man wolle jetzt dem Verursacher eins "reinwürgen".
Darüber hinaus hat das ganze vielleicht noch eine juristische Komponente: Im schlimmsten Fall könnte man eine Namensnennung als geschäftsschädigendes Verhalten interpretieren. Auf der anderen Seite ließe sich natürlich argumentieren, dass nichts gegen die sachliche Verbreitung nachprüfbarer Fakten spricht.
Mir liegt es zudem fern, hier den Eindruck zu erwecken, ich würde zu Boykotten aufrufen. Jeder soll sich seine Meinung anhand der Fakten selber bilden, ob er mit einem Händler weiter eine Geschäftsbeziehung pflegt oder nicht.
Dass ich für meinen Teil das nicht mehr tun werde, ist damit eine Einzelentscheidung wie sie es für jeden einzelnen auch sein sollte.


Wenn ich an dieser Stelle nicht den Namen nenne, könnte man entgegnen, ich habe nur mit der Sensation hausieren gehen wollen und unnötig die "Pferde wild gemacht". Der Informationsgehalt würde für diejenigen, die sich für einen Händler/Rigger entscheiden wollen, gegen null tendieren.


Das ganze führt zwangsläufig zur Frage: Ja warum habe ich es dann überhaupt gepostet?

Ich finde, dass es dafür zwei Gründe gibt:

1.: Diese Sache ist passiert!! Und sie ist so drastisch, dass man nicht einfach so tun kann, als würden solche Fehler hierzulande nicht passieren. Man kann es nicht unter den Teppich kehren.
Es ist einfach so, dass das alleiinige Ausmaß eines Ereignisses ausreicht, um einen legitimen Platz in der Öffentlichkeit zu erhalten. Und zwar auch dann, wenn dieses Ereignis keinen unmittelbaren Bezug zu jedem Empfänger hat. Dieses Prinzip können wir jeden Tag verfolgen, wenn wir die Tagesschau einschalten.

2.: Die "Gefahr", die durch die Nichtveröffentlichung ausgeht, scheint mir größer zu sein als die Nachteile, die durch die Veröffentlichung entstehen können.
Wenn es nur der Effekt ist, dass zum "Usus" gewordene Verhaltensweisen überprüft werden oder zu Sicherheitsdiskussionen angeregt wird, ist eine Menge gewonnen.
Dieser Effekt ist unbezahlbar mehr Wert, wenn er vor dem Unfall eintritt.



Was die Veröffentlichung des Namens des Verursachers angeht, so bin ich mir derzeit mit mir selber uneins.
Ich werde dazu sicherlich noch mal Rücksprachen (u.A. mit meinem jetztigen Stammrigger) halten.
Ich tendiere jedoch dazu, den Namen unter gewissen Voraussetzungen (die da wären: Wahrung des neutralen Gesamtbildes, lediglich Darbietung der Fakten und Verfolgung sinnvoller Hintergedanken) bekannt zu geben .

Ich finde, dass auch hier zwei Gründe dafür sprechen:

1.: Es darf kein Unschuldiger in Verdacht geraten, nur weil einige meinen 100%ig zu wissen, wer der Verantwortliche sein könnte.

2.: Vielleicht kommt etwas mehr Bewegung in Gang was eine allgemeine Sicherheitseinstellung betrifft. Und sei es nur dadurch, dass ein "nur" abgemahnter plötzlich ein Gesicht bekommt und sich auch der DFV die Frage gefallen lassen muss, warum eine unglaubliche Kette der Fahrlässigkeiten im wesentlichen ohne Folgen bleibt.


Fazit: Sollte ich den Namen veröffentlichen, so wird das an dieser Stelle hier als nächstes geschehen.
Bis dahin ist die Community dazu aufgerufen zu diskutieren, wie groß das Interesse daran ist und was die Pro- und Contra-Argumente wären.



Ich hoffe, Ihr versteht meine recht umfangreiche Bredouille...


(This post was edited by badlock on Apr 10, 2008, 10:55 AM)


Whyara

Apr 10, 2008, 11:55 AM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

Ich persöhnlich möchte einfach wissen, ob nicht mein letzter Repack zufällig auch von diesem skrupellosen Menschen . . .


skyspike  (D 4337)

Apr 10, 2008, 12:00 PM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

Gut das Du nicht so viel damit gesprungen bist! (wenn ich richtig informiert bin)

Glückwunsch zum Geburtstag!

Dennoch, irgendwie keine Sache fürs Web, finde ich. Ein Schaden für die ganze Innung. Unser Sport basiert doch an vielen Stellen auf Vertrauen und 99.9% kann man vertrauen. Es kann ja jetzt nicht jeder bei allen Arbeiten dabei sitzen und zuschauen.

Welche Maßnahmen ergreift der Verband denn in solchen Fällen?

Wie wird ein Techniker eigentlich "nachgeprüft"?

Wenn altgediente Lehrer demnächst auch noch Schirmfahrtseminare mitmachen sollen, könnte man da ja auch mal etwas nachbessern oder einige Seiten dem Handbuch hinzufügen WinkCool

Im digitalen Zeitalter könnte man solche Arbeiten ja vielleicht umfassender dokumentieren?! Ein paar Fotos sind schnell gemacht. Zumindest bei der Erstpackung eines neuen Rigs - oder so...

BlueS
Guido


ast4711

Apr 10, 2008, 12:03 PM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

 
DISCLAIMER:
Ich kann das selber (noch) nicht abschliessend beurteilen, aber gehen wir mal davon aus alles ist so wie du es geschildert hast - woran ich momentan nicht zweifele:


Quote:
Ich hoffe, Ihr versteht meine recht umfangreiche Bredouille...

Also, ehrlich gesagt nicht ganz:

Ich mein, überall werden mal fehler gemacht, aber nicht solche - hoffe ich zumindest!

Ich finde die Fakten _müssen raus_:

Allein aufgrund unserer räumlichen Entfernung gehe ich nicht davon aus persönlich betroffen zu sein, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es jetzt eine Menge verunsicherter Leute gibt.

Was ich ganz stark fände, wäre wenn der betroffene Techniker sich selbst outen würde. Ok - sicher ein sehr gewagter Schritt mit wenig geschäftsfördernder Wirkung. Zumindest nicht kurzfristig.
Ich kann mich aber auch noch an das miserable Trouble-Management eines Herstellers nach einem (zwei) Vorfällen erinnern, das bis heute dafür sorgt, das ich in ebay Produkte dieses Herstellers für beinah lau finde.....
Wie wir alle wissen ist Einsicht der erste Schritt zur Besserung - vielleicht zahlt sich Einsicht langfristig mehr aus als alle krampfhaften Versuche alles untern Tisch zu kehren..

Ich hab schon öfter von Rigging-Fehlern gehoert, wie vermutlich jeder schonmal, nur find ichs halt schon ziemlich unfair dass man immer wieder akzeptiert, dass andere in die gleiche - vielleicht tödliche - Falle tappen.

Und überhaupt: Ich selbst will demnächst einen Fallschirmwart-Kurs machen und mir ist schon klar, dass ich dabei auch "richtige" Reserven packe. Allerdings könnte ich sicher nicht wirklich gut schlafen, wenn jemand anderes für meine Packjobs unterschreibt ohne überhaupt gesehen zu haben was ich da fabriziert hab!!!

alex

PS: Die von dir erwähnten rechtlichen Konsequenzen würde ich mal gaaaannnnnzzzzz cool auf mich zukommen lassen, wenns denn dann so wäre....


christelsabine  (D 10828)

Apr 10, 2008, 12:31 PM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

In reply to:
Ich hoffe, Ihr versteht meine recht umfangreiche Bredouille...

Woah! Wenn die Bredouille alles ist, worum Du um Verständnis bittest, dann: Hut ab! Vor Deiner Vernunft, Zurückhaltung und bisherigen "Verschwiegenheit".

Ganz einfach: Wenn ich wüsste, wer's war - und dass es mich schlicht und einfach mein einziges Leben kosten kann, wenn ich dessen "Arbeit" in Anspruch nehmen muss - hätte ich Riesenprobleme, so gelassen zu sein wie Du.

Je mehr Zeit vergeht, umso eher glätten sich die inneren Wogen. Und dann passiert's, dass Du Dir evtl. sagst, "... ach pfeif' drauf, ist ja nichts passiert, Deckel drüber..".

Du bist aber nicht allein im Springersport. Ich möchte nur zu gern wissen, wessen Finger derartig leichtfertig hantiert haben. Vielleicht ist sonst mein Kumpel nebenan (und danach ich) an der Reihe??

Es gehört sicher so etwas wie Mut dazu, einen Namen zu nennen. Wäre mir das alles passiert, hätte ich keine Skrupel, dies zu tun.

Ich mag mir kaum vorstellen, dass alles mit einer "Abmahnung" getan sein sollte. Hier waren absolute Schlamperei und Leichtfertigkeit samt "Betrug" im Spiel.

Du hast beteuert, alles sei so gewesen, wie Du es geschrieben hast. Wer sollte daran zweifeln, und warum auch?

Hey, Marcus, was sagst Du dazu?? Halllloooooo ....

Christel


Falko  (D 10613)

Apr 10, 2008, 2:09 PM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

Ist eine Rückrufaktion des Händlers nicht der nächste Schritt?

Wie wär das denn wenn ein, sagen wir mal, Fluggerätemechaniker einen Fehler ähnlicher "Qualität" macht, und das bei einer Flugzeuginspektion entdeckt wird. Wird dann nur diese eine Maschine repariert, und für den Rest sagt das LBA sich "schaumermal was so runterkommt, dann wissen wir ja wo er vielleicht noch hätte nachbessern müssen". Laugh
Ich unterscheide hier bewußt nicht zwischen fehlerhaftem Material und fehlerhafter Verarbeitung. Das ist für mich im Ergebnis dasselbe, nämlich tödlich.
Aber vielleicht ist das in der Praxis anders, keine Ahnung... die Frage war schon ernst gemeint: Wie werden handwerkliche Fehler normalerweise seitens des LBA/EASA behandelt?

Was anderes:
Weißt du wer der Fallschirmwartanwärter ist? Ich frage nicht, weil er einen Fehler gemacht hat, das steht ihm als Anwärter zu und wäre überhaupt nicht Gegenstand der Diskussion. Mich würde nur interessieren, ob es diese Person überhaupt gibt? ...denn ich bin ja ein schlechter Mensch und glaube nie, was man mir sagt.


FrancoR

Apr 10, 2008, 8:00 PM
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Re: [Falko] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

In reply to:
Ist eine Rückrufaktion des Händlers nicht der nächste Schritt?
Wie wär das denn wenn ein, sagen wir mal, Fluggerätemechaniker einen Fehler ähnlicher "Qualität" macht, und das bei einer Flugzeuginspektion entdeckt wird.

Hier drueben ist gerade die gesamte MD-80 Flotte von American Airlines gegrounded und 140 000 Pasagiere sitzen auf Flughaefen fest. Grund: Eine von der FAA vorgeschriebene Inspektion eines Kabelbaums am Bugrad wurde nicht genau nach Spezifikation durchgefuehrt, also wird das ganze jetzt nochmal gemacht.

Zur Zeit ist der FAA da pflaster aber ohnehin etwas heisst weil es vor ein paar Tagen irgendeinen Skandal um deren verbandelung mit den Airlines gab.

Franco


feuergnom  (D License)

Apr 10, 2008, 10:48 PM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

schnellschuss aus der hüfte:

wenn ein schüler packen lernt, gibts in jeder ausbildung fix festgelegte checks. werden die vom lehrer nicht kontrolliert und abgezeichnet, gibts kein weiterpacken und ergao auch kein springen. soweit ich die ausbildung zum packer begriffen habe, gilt sinngemäß das selbe.
darin liegt m.e. der fette hund begraben: wie kann ein systembetreuer etwas abzeichnen, dass er nicht gesehen und kontrolliert hat? vor allem, wenn es um die letzte chance geht, die ein springer noch mit sich führt?

zum namedropping: nachdem bei euch die systembetreuer und packer sicher auch nicht zu hauf auf den bäumen wachsen, wissen die meisten wahrscheinlich sowieso schon, wer gemeint ist, also kann man sich die namensnennung ersparen.

*klugscheissmodusein*
flucht nach vorne fänd ich echt cool: wer dem durchgeführten packjob nicht traut, bekommt eine gratispackung mit zusehen
*klugscheissmodusein*


badlock

Apr 11, 2008, 12:04 AM
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Re: [skyspike] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

In reply to:
Dennoch, irgendwie keine Sache fürs Web, finde ich.


Warum? Mir ist der Sinn dieser Handhabung offengestanden nie ganz klar gewesen. Entweder man hat nur Halbwahrheiten zu berichten (dann sollte man die Klappe halten) oder man kann Fakten auf den Tisch legen.
Und wenn der Zweck nur der ist um zu zeigen, dass das auch eine Seite des Sports ist: Unsere menschliche Fehlbarkeit. Auf chutingstar.com hatten sie mal eine Rigging-"Hall of Shame". Ich finde diese Idee gut. Nicht, um öffentlich mit dem Finger auf Andere zu zeigen, sondern um zu dokumentieren, was vielleicht sonst nur im elitären Kreis auf der Landewiese gemunkelt werden würde.
Die Sache ist: Es geht ja hier nicht um Kinkerlitzchen und es hat bestimmt keiner Interesse daran, für jeden Fehler einen medialen Pranger aufzumachen.
Aber bei so einem Kracher wie in diesem Fall, finde ich die Sache schon erwähnenswert - ob nun mit oder ohne Namen.


In reply to:
wie kann ein systembetreuer etwas abzeichnen, dass er nicht gesehen und kontrolliert hat? vor allem, wenn es um die letzte chance geht, die ein springer noch mit sich führt?

Also der Verursacher hat es mir so erklärt:
Er habe seinen Aspiranten gefragt: "Und, hast Du es genau so gemacht, wie wir es besprochen haben?" Und darauf hin habe er gesagt "ja, habe ich"


Ollo

Apr 11, 2008, 2:56 AM
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

Hi Badlock,

also ich kann verstehen, dass Du dich schwer tust hier die Namen zu nennen. Ich bin mir nicht sicher was ich an deiner stelle tun würde.
Ich finde, dass das auch gar nicht unbedingt dein persönliches Problem ist. Der DVF hat schließlich Kenntnis davon bekommen und ist hier meiner Meinung nach die richtige Instanz. Wenn ich's richtig verstehe besteht doch die Möglichkeit, dass noch weitere falsch gepacke Reserven im Umlauf sind. Da würde ich erwarten, dass der DFV (nachdem er ja davon weiß) dafür sorgt dass dieses Sicherheitsrisiko eliminiert wird. Ob er das öffentlich tut oder auf die betroffenen Personen direkt zu geht ist mir egal. Für Letzteres würde ich aber eine verbindliche Zusage erwarten.

Ich hab keine Ahnung um wen's hier eigentlich geht. Früher oder später spricht sich so was einfach rum. Wenn der betroffene Rigger an Schadensbegrenzung interessiert ist hat er sowieso eigentlich nur die Möglichkeit an die Öffentlichkeit zu gehen und für Aufklärung zu sorgen. Es würde ihm gut zu Gesicht stehen wenn er hier die Initiative ergreift. Verstecken wird ihm sicher nicht das Vertrauen zurück bringen


mr_prick

Apr 11, 2008, 7:28 AM
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Re: [Ollo] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

ja? ich kann das nicht verstehen.
hier werden ja keine brezeln verkauft sondern lebenserhaltende maßnahmen.
in diesem fall ein potentiell tödlicher unfall.
fehler macht jeder mal, aber das hier ist grobe fahrlässigkeit wie es schlimmer fast nicht geht.
ich persönlich würde zu teer und federn tendieren...
erst recht nach der begründung!
unfassbar...


Mr.Andi

Apr 11, 2008, 7:57 AM
Post #22 of 60 (5042 views)
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Re: [badlock] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

Hey Badlock,

die Story ist ja echt der Hammer! Auch von mir erstmal nen herzlichen Glückwunsch, dass Du noch unter uns weilst.

Der Beruf des Riggers ist ein sehr verantwortungsvoller Job, solche Fehler dürfen da einfach nicht passieren und wenn sie passieren, dann muss das auch Konsequenzen haben. Letztendlich hast Du ja über eine komplette Saison russisch Roulette gespielt ohne davon zu wissen. Man wär ich sauer! Mad

Meiner Meinung nach solltest Du den Namen das Riggers nennen. Schlimm genug, dass der DFV es bei einer Abmahnung belässt.

Hoffentlich war das ein Einzelfall....


Mask

Apr 11, 2008, 9:26 AM
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Re: [Falko] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

Wie der DFV mit sowas umgeht, daran werden sich die Älteren unter uns noch erinnern, wenn sie an das Hängenbleiben von Fangleinen an der Klappe des Containers eines deutschen Anbieters denken, der "kürzlich" umfirmiert hat.
Damals HAT es -wie schon erwähnt- einen Unfall gegeben.

In der Ausbildung zum TM hat mich mein Instructor zu Anfang beiseite genommen und mir mit ruhigem, festem Blick ins Gesicht gesagt: Wenn Du in der Ausbildung ohne den Gast kontrolliert und komplett sprungfertig zu haben in Richtung Tür rutscht, ist die Ausbildung damit sofort beendet.
Finde ich nachvollziehbar.

Ich hoffe, hier ist das auch so.


SimonFreeFly

Apr 11, 2008, 9:56 AM
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Re: [Mr.Andi] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

Wenn man es genau betrachtet, ist das ja hier so, als würde in der Schule ein Lehrer seinen Schüler nach der Klausur fragen, ob er alle Fragen so beantwortet hat wie im Unterricht gelernt und der Schüler sagt ja klar.
Und der Lehrer daraufhin ok dann notiere ich mal eine Eins für dich, nur das hier davon Leben abhängen können, und denn es geht ja hier um die Einstellung, die hier in die falsche Richtung gelaufen ist.
Hier hat der "Lehrer" seinem "Schüler" bedingungslos vertraut, aber genau dass kann ja nicht der Sinn sein, und eine Veröffentlichung ist auch eine Warnung für alle anderen Rigger die nötige Verantwortung nicht schleifen zu lassen, denn vielleicht hat auch schonmal ein anderer Rigger aus welchen Gründen auch immer, nennen wir es mal Pencil Packing gemacht, selbst wenn da keine Fehler passiert sind, denn sein Name will ja keiner Veröffentlicht sehen.


feuergnom  (D License)

Apr 11, 2008, 1:12 PM
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Re: [SimonFreeFly] Warum ich eine Saison lang mit einem BASE-Rig aus 4000 Metern gesprungen bin [In reply to] Can't Post

so, bevor hier alle die pferde scheu machen, muss ich auch den senf dazukleckern, der nach einer elendslangen unterredung mit dem masterrigger meines vertrauens entstanden ist:

Jedes rigging-loft (oder was dem in der freien wildbahn entspricht) dokumentiert packfehler, die so im lauf der zeit auf den packtischen landen. manche führen eine interne "hall of shame" oder ein "book of rigging horrors". nicht unbedingt um mit dem finger rumzuzeigen - he guck mal was der arsch hier verbockt hat! - sondern um zu dokumentieren was alles schief gehen kann. manchmal wird das material bei sicherheitstagungen oder symposien hergezeigt - und das immer ohne namensnennung und als nicht-rigger, systembetreuer, packer etc staunt man bauklötze, was sich hinter der gut verschlossenen reserveklappe so alles verbergen kann.

wenn jetzt der ruf nach teeren und federn und an den pranger stellen laut wird - he leute, mal langsam. iich habe keine ahnung, ob euch das schmeckt, aber ich probier trotzdem was aus:
ich nehm mal an badlock hat sein gear am anfang der letzten saison bekommen (schätzungsweise märz) und bis september war alles fein. was folgt ist die winterpause. jetzt ist wieder märz und die einjahrespackfrist ist mit dem neuen repack voll eingehalten. wäre der fehler mit einer 6-monatspackfrist früher erkannt worden? ich denke schon...

nächster punkt: was bis jetzt alle hier (inklusive meiner wenigkeit) bemängelt haben, ist das fehlende/schlechte qualitätsmanagement, das hier sichtbar wurde. ist doch ganz klar. der schüler packt, der lehrer zeichnet ab, ohne zu kontrollieren. klar wie eben gar nichts klar ist. Denn: bis jetzt weiß keiner, wieviele packjobs der "packer-in-training" bis zur fraglichen packung gemacht hat (war es der erste oder der 20.?), ob diese tadellos waren, ob er den fraglichen packjob nach den richtlinien des ausbildenen betriebs überhaupt unter supervision hätte durchführen müssen, etc. etc. etc.
da gibts eine ganze menge an fakten, die wir (die ich) nicht wissen (nicht weiss).


kurze randnotiz noch aus dem ösi-recht: bei uns verliert man seinen packer-deckel, wenn "die vertrauenswürdigkeit nicht mehr gewährleistet ist" - zumindest auf dem papier. was auch immer das in der praxis bedeuten mag


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