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Freefly Bigways: Ideen für Sicherheit und Erfolg (lang)
 

Chrisky

Jun 24, 2004, 3:20 PM

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Freefly Bigways: Ideen für Sicherheit und Erfolg (lang) Can't Post

Freefly Bigways:
Ideen für Sicherheit und Erfolg

Von Max Cohn
Übersetzt von Christian Kohlhaas

Du bist also an Deiner Heim-Dropzone und ein Freund fragt Dich, ob Du einen zweier Sit mit ihm machen willst, und natürlich stimmst Du zu. Nach dem Zehn-Minuten-Aufruf lädt sich ein Freund Deines Freundes zu dem Sprung ein und aus dem 2-way wird ein 3-way. Während Ihr die Ausrüstung anlegt, laden sich zwei weitere Freunde zu dem Sprung ein und machen einen 5-way aus dem Sprungvorhaben. In ca. 2.800m im Flieger sagt ein Freund eines der neuen Gruppenmitglieder „Hey, ihr Jungs macht einen 5-way?... Cool, lasst uns nen 6-way draus machen.“.
Weil Du kein Spielverderber sein willst, schwimmst Du mit dem Strom und spielst mit. Auf 3.500m versucht Ihr sechs zu dirt diven, als einer sagt „Lasst uns einfach rausgehen und Spaß haben!“ Es ist zu spät um zu diskutieren, das grüne Licht geht an und Ihr exitet alle irgendwie.

Nach dem Exit verliert Ihr irgendwie zwei Mitglieder der Gruppe komplett und Ihr seht sie nicht wieder bis Ihr zu packen anfangt. Die anderen Teilnehmer sind so zwischen 300 und 600 m entfernt, einer nach oben, einer nach unten. Am Boden gebt Ihr Euch Hi-Fives und bedankt Euch für einen spaßigen Sprung.
Was stimmt mit diesem Szenario nicht? Erstens geht diese Art Sprung völlig am Kern des Gruppenspringens vorbei. Es besteht nicht die Absicht, zusammen zu fliegen. Zweitens, und wahrscheinlich am wichtigsten, ist diese Art von Sprung unsafe.

Man stelle sich eine bauchfallende RW-Gruppe von ca. 10 Springern vor, die bei 3.800m noch ein paar Leute einladen und keinen Plan haben. Sie gehen raus und sind alle auf verschiedenen Levels, winken in die Kamera, einzelne setzen Zufallsgriffe und der eine oder andere macht nen Salto, wann er gerade lustig ist.
Der Grund, warum man so etwas praktisch nie sieht ist, dass Bauchfaller die Idee verstanden haben, was Gruppenfliegen sein sollte. Sie wissen, dass, wenn 10 Leute rausgehen, das Ziel ist, 10 Leute gedockt im Kamerablick zu haben (ohne den Kameramann natürlich). Im Freeflying realisieren wir langsam, dass wir zusammenfliegen sollten, wenn wir als Freefly-Gruppe springen.
Als Sitflying und Headdown während der letzten paar Jahre an Beliebtheit gewannen, sahen es die meisten als Alternative zu „Relative Work“. Viele Springer zogen es vor, mit freeflying zu experimentieren, um von den seriösen/ernsten Aspekten des flachen RW los zu kommen.
Die Leute wollten nicht dirtdiven und einen Plan haben, sie wollten rausgehen und frei sein.

Wenn wir den Level des Human Flight höher pushen wollen, müssen wir anfangen, Gruppenfliegen als genau das anzusehen, wie es der Name schon sagt, Fliegen als Gruppe.
Einfach im gleichen Moment aus einem Flieger zu springen beweist keinerlei Grad an Können oder Sicherheit. Stattdessen beweist es eher einen Mangel an Disziplin und Missachtung der eigenen Sicherheit und der jener um einen herum.

Wenn Du an Gruppen-Freeflies teilnimmst, hier ein paar Ideen, die Dir helfen werden, Deine Sprünge zu organisieren und Dich so cool wie möglich aussehen zu lassen, ohne ein Risiko für andere am Himmel zu werden.
Als erstes ist es wichtig, sich darüber klar zu werden, dass ein Freefly-Bigway nicht unbedingt bedeutet, dass die Gruppe sehr groß sein muß.
Momentan ist der Weltrekord für eine Headdownformation ein gelinkter 24-way (42-way aktuell, Anm. d. Übers.). Für die meisten Freeflygruppen besteht ein „Bigway“ aus 3 oder 4 Teilnehmern.
Schließlich muss eine Formation relativ zur größten erreichten Formation gemessen werden, und wenn zur Zeit 24 gelinkte Freeflyer eine Weltrekordformation darstellen, fällt freeflyen mit drei oder vier Springern in die Kategorie „Bigway“.

Der Exit ist, wo es mit dem eigentlichen Sprung losgeht.
Der Exit bestimmt den Ton der höchst erwarteten folgenden 45-50 Sekunden. Wenn der Exit nicht so läuft wie geplant ist es wahrscheinlich, dass der Rest des Sprunges ebenso geht. Die Fliegertür wird zum Spannungspunkt beim Aufbauen. Die Kommunikation ist dank Aufregung und Wind schlecht, es ist eng und die Gruppe hinter Euch schreit „Schneller!“
Wartet nicht bis zu diesem Zeitpunkt Euch nen Exit auszudenken, dirt divet ihn am Boden.

Dirt divet den Exit (und den Rest des Sprunges) bei jedem Bigway, unabhängig von der Größe der Gruppe. Auch wenn Ihr nur einen 2-way macht, wird Euer Sprung besser ablaufen wenn Ihr dirt divet. Wenn Ihr den Aufbau übt sollte jeder in der Maschine sein und üben, in der richtigen Reihenfolge an seine Position zu kommen. Nehmt nie an, dass die ganze Gruppe alle Anweisungen verstanden hat. Ich habe viele Bigways schlecht laufen sehen nachdem Leute von der Tür ab im falschen Slot waren.
Bestimmt eine Person, den Exitcount zu geben. Es sollte jemand mit einem gut sichtbaren Slot sein und das Kommando sollte klar sichtbar sein. Es ist so schade, einen Sprung damit anzufangen dass eine Hälfte der Gruppe vor der anderen springt. Ein Arm zusammen mit einem lautstarken Kommandocount funktioniert normalerweise am Besten. Ein kräftiges „READY, SET, GO!“ verbunden mit einem deutlichen ‚RAUS, REIN, RAUS’ des Armes ist meist ideal. Wenn die Hände nicht frei sind, gebt einen Count zusammen mit einem deutlichen Körperwippen, und geht sicher dass alle fertig sind und Euch im Auge haben.
Zusätzlich sollte man beim Exit darauf achten, dass sich alle wohlfühlen und relaxed sind. Wenn die Gruppe den Flieger verlässt wollt ihr ihn als Einheit verlassen. Es ist wichtig, dass Ihr alle zum gleichen Zeitpunkt exitet und Euch verbunden fühlt. Es ist keine schlechte Idee für die Gruppe, vor dem Exitcount gemeinsam tief ein-und auszuatmen. Wenn jemand in der Tür angespannt ist, wird er das in den Rest der Gruppe ausbreiten, also versucht Euch zu entspannen und es langsam anzugehen.

Habt immer einen bestimmten Plan, wenn Ihr Euren Bigway organisiert, denn ohne einen bestimmten Plan ist es schwer, etwas aus dem Sprung zu lernen. Wenn Ihr nicht genau wisst, was Ihr versuchen wolltet, wie könnt Ihr dann sagen ob es geklappt hat oder nicht?
Wenn Ihr mit anderen Leuten und nur „herumfliegt“, ist es schwer zu analysieren, wer was gemacht hat. Hat aber jeder seinen Slot, ist es leicht zu sagen wer in seinem Slot war und wer nicht, und diese Info können wir dazu verwenden bessere Freeflyer zu werden.
Wenn Ihr einen Bigway plant, macht einen bescheidenen Plan. Versucht einen Bigway, den Ihr tatsächlich umsetzen könnt und versucht ihn mit Springer, von denen Ihr ehrlich überzeugt seid, dass sie den nötigen Skillevel haben. Wenn das bedeutet, die Gruppe von sieben auf vier zu reduzieren, werdet Ihr einen deutlich produktiveren 4-way bekommen.
Bei jedem Bigway sollte ein Gruppenleader ausgemacht werden und jeder in der Gruppe sollte relativ zum Leader fliegen. Die Verantwortung des Leaders beinhaltet das Setzen und halten der Fallrate, Signale für weitere Punkte zu geben und als Basis für den Sprung zu dienen.

Wenn es keine Basis in einem Bigway gibt, gibt es keinen Referenzpunkt, von dem aus alle arbeiten können.
Wenn es keinen Leader und keine Basis gibt, werden alle Teilnehmer viel schwieriger als Gruppe fliegen. Es ist essentiell bei Bigways dass alle auf das gleiche Ziel hinstreben, einen erfolgreichen Gruppensprung zu machen. Wenn jeder eine andere Vorstellung davon hat, was er während des Sprunges machen soll wird der Sprung unorganisiert und unzusammenhängend.
Bei jedem Bigway sollten alle danach streben, auf Level zu sein, außer natürlich, es ist ein fortgeschrittener Sprung mit verschiedenen vertikalen Levels. Diesen Fall ausgenommen ist es entscheidend für das gemeinsame Fliegen auf einer horizontalen Ebene zu sein. Auf dem gleichen Kopflevel zu sein vermehrt den Augenkontakt und das Höhenbewusstsein. Wenn man nicht auf Level ist, ist man gezwungen, seine normale Flughaltung zu verändern, um die Gruppe sehen zu können. Man ist entweder zu hoch und muss hinuntergucken oder man ist zu tief und versucht hochzuschauen. Beide Haltungen werden eine unbequeme Flugerfahrung ergeben.

Der letzte Aspekt eines Bigways ist der Break off. Dieser sollte ebenfalls im Rahmen des Dirt dives geübt werden. Bestimmt eine großzügige Breakoffhöhe, die es allen ermöglicht, von allen anderen wegzukommen anstatt einfach wahllos wegzutracken. In einem Bigway hat jeder einen Slot zu fliegen, also sollte gegen Ende des Sprunges vorherzusagen sein, wo jeder sein sollte. Basiert den Break off auf der Sloteinteilung. Wenn Ihr einen äußeren Ring von Springern habt, plant diese zuerst zu separieren und etwas höher zu pullen, damit sie den anderen aus dem Weg sind. Wenn ein Springer dabei ist, der aus irgendwelchen Gründen nicht bei der Gruppe ist, ist es dessen Verantwortung, zu separieren und höher zu pullen.
Wenn ein Springer nicht mehr bei der Gruppe ist, weiß der Rest der Gruppe nicht, wo er ist. Aber dieser Springer kann den Rest der Gruppe noch sehen. Er muß die Initiative ergreifen und sicherstellen, dass er oder sie bei der Separation aus dem Weg der anderen Springer ist.

Jeder trägt die Verantwortung, tatsächlich hinzusehen, wer um sie herum ist und wohin sie tracken. Stellt sicher, dass jeder in der Lage ist, das Ende des Sprunges zu erwarten und sich auf das Wegtracken vorzubereiten. Schau nach obe und unten, vorn und hinten, links und rechts und überall dazwischen. In anderen Worten, schau Dich um bevor Du entscheidest, wie ein Rennwagen mit rauchenden Reifen von der Gruppe wegzubrennen. Die Folgen, Deine Flugbahn während der Separation nicht zu checken können tödlich sein. Wenn man beispielsweise die Separationshöhe von 1.500m auf 1.750m anhebt, gewinnt man drei oder vier Sekunden um zu sehen, was um einen herum geschieht bevor man wegtrackt.
Man sollte nie in einem Bigway sein und beim Break-off tief sein. Das wird einen in eine Stressituation bringen, in der man unverzüglich separieren und seinen Schirm öffnen muss.
Bei Freefly Bigways existieren einige zusätzliche Risiken im Vergleich zu flachfliegenden Bigways.

Zunächst fallen wir schneller und das bedeutet, dass wir in der Zeit zwischen Separation und Pull auch noch langsamer werden müssen., was einen weiteren Schritt hinzufügt. Desweiteren können Leute auf unterschiedlichen Levels sein, weil sie unterschiedlich schnell abbremsen und in unterschiedlichen Winkeln tracken. Daher kann die Separation etwas verwirrend sein. Deshalb wird eine größere Separationshöhe der Gruppe mehr Zeit geben, sicher mit diesen Faktoren umzugehen.

Freefly Bigways können eine unglaubliche Spaß- und Anregungsquelle sein. Sie können auch eine potentielle Gefahrenquelle für die Teilnehmer sein. Wenn Du mit Freefly-Bigways zu experimentieren anfängst, tue es langsam und mach einen Schritt nach dem anderen. Fang mit kleinen Gruppen an und strebe danach, in einem sicheren Umfeld zusammen zu fliegen.
Betrachte Bigways als ein ernstes Unternehmen. Behandle jeden Aspekt des Sprungs, vom Exit bis zur Separation, mit Umsicht und Vorbesinnung. Wenn Du jeden Bigway sorgfältig planst und über jede Erfahrung ehrlich nachdenkst besteht kein Zweifel daran, dass Du und Deine Gruppe Euer Können verbessert.

Über den Autor: Max Cohn, USPA D 20252, leitet Generation Freefly: School of Body Flight. Er hat über 7.000 Freefly Sprünge und hat tausende von Schülern weltweit gecoached und organized. Email an ihn unter max@generationfreefly.com

Hab das Ganze noch nicht Korrekturgelesen, also verzeiht mir heftige Anglizismen und/oder Schreibfehler...
*Fingerkühl*
Edited to add: Wenn Ihr antwortet, kürzt bitte das "Subject", damit der thread lesbar bleibt...Wink


(This post was edited by Chrisky on Jun 24, 2004, 3:21 PM)

Subject User Time
Freefly Bigways: Ideen für Sicherheit und Erfolg (lang) Chrisky Send a private message to Chrisky Jun 24, 2004, 3:20 PM
    Re: [Chrisky] Freefly Bigways divinglog Send a private message to divinglog Jun 24, 2004, 4:25 PM
    nur eine antwort feuergnom Send a private message to feuergnom Jun 25, 2004, 4:12 AM
    Re: [Chrisky] Freefly Bigways: Ideen für Sicherheit und Erfolg (lang) christelsabine Send a private message to christelsabine Jun 25, 2004, 5:46 AM
        Überschriften etc. Chrisky Send a private message to Chrisky Jun 25, 2004, 3:01 PM
            Re: [Chrisky] Überschriften etc. TorstenKu Send a private message to TorstenKu Jun 25, 2004, 6:09 PM
                Re: [TorstenKu] Überschriften etc. flip2 Send a private message to flip2 Jun 27, 2004, 5:10 AM

 
 
 


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